Krankenversicherungsbeiträge als abzugsfähige Vorsorgeaufwendungen

Die Aufgabe des Staates ist es, dem Steuerpflichtigen zu ermöglichen, in angemessenem Umfang Vorsorge zu schaffen. Das Einkommen des Bürgers muss daher insoweit freigestellt sein, als dieser es zur Schaffung der Mindestvoraussetzungen eines menschenwürdigen Daseins für sich und seine Familie benötigt. Entsprechend dieser Auffassung entschied das Bundesverfassungsgericht und bewirkte damit die Einführung des Bürgerentlastungsgesetzes Krankenversicherung, welches den Steuerzahler um insgesamt rund 10 Mrd. Euro entlastet.

Verbesserte steuerliche Berücksichtigung von Vorsorgeaufwendungen

Mit in krafttreten des Gesetzes zur verbesserten steuerlichen Berücksichtigung von Vorsorgeaufwendungen, haben gesetzlich und privat Krankenversicherte gleichermaßen die Möglichkeit, ihre Krankenversicherungsbeiträge in der Einkommensteuererklärung steuermindernd anzusetzen. Vom Gesamtbruttoeinkommen abzugsfähig sind dabei die Beitragsanteile, die es dem Versicherten ermöglichen, ein Leistungsniveau herzustellen, das weitgehend dem der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung entspricht (sozialhilfegleiches Versorgungsniveau).

Abziehbare Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung

Gesetzlich Krankenversicherte können ihre Beiträge in voller Höhe absetzen, da diese zur Erreichung des sozialhilfegleichen Versorgungsniveaus erforderlich sind. Ausnahme: Beiträge für eine Krankengeldabsicherung – besteht mit dem Krankenversicherungsbeitrag ein Anspruch auf Krankengeld oder eine vergleichbare Leistung, wird der steuermindernd ansetzbare Beitrag pauschal um 4% gekürzt.

Abziehbare Beiträge in der privaten Krankenversicherung

Beiträge zur privaten Krankenversicherung sind bis zur Höhe einer existenznotwendigen Krankenversorgung abzugsfähig. Sind im Versicherungsschutz Leistungen wie beispielsweise Heilpraktikerbehandlungen oder stationäre Unterkunft im 1-Bettzimmer enthalten, ist es erforderlich die abzugsfähigen und nicht abzugsfähigen Beitragsanteile zu ermitteln. Dies geschieht durch eine Aufteilung der Tarifbeiträge gemäß der sogenannten "Krankenversicherungsbeitragsanteil-Ermittlungsverordnung (KVBEVO)". Die KVBEVO ordnet dabei den versicherten Tarifleistungen folgende Bewertungen zu:

Leistungen Basis Wahlleistungen Summe
Ambulant 54,60
Punkte
1,69 Punkte
Heilpraktiker
  56,29
Punkte
Stationär
15,11
Punkte
9,24 Punkte
Chefarzt
3,64 Punkte
1-Bettzimmer
27,99
Punkte
Zahnärztlich
9,88
Punkte
5,58 Punkte
Zahnersatz
0,26 Punkte
Kieferorthopädie
15,72
Punkte

Der nicht abziehbare Beitragsanteil errechnet sich wie folgt:

  Summe der Punkte für nicht abziehbare Leistungen
/ Summe der Punkte der insgesamt versicherten Leistungen
* vom Steuerpflichtigen geleisteter Beitrag
= nicht abziehbarer Beitragsanteil

Beispiel:

Eine private Krankenversicherung kostet pro Jahr 2.400,- € und bietet folgende Leistungen:

  • ambulante Basisleistungen (54,60 Punkte)
  • zahnärztliche Basisleistung (9,88 Punkte)
  • stationäre Basisleistungen (15,11 Punkte)
  • Chefarztbehandlungen (9,24 Punkte)
  • Einbettzimmer (3,64 Punkte)

Daraus ergibt sich:

Summe abgesicherter Leistungen = 92,47 Punkte
Summe nicht steuerlich abziehbarer Leistungen = 12,88 Punkte

Berechnung:

12,88 / 92,47 = 0,1393
0,1393 × 2.400,- EUR = 334,29 EUR

Somit kann in der Steuererklärung das zu versteuernde Einkommen um 2.065,71 EUR reduziert werden. Insofern der Höchstbetrag für sonstige Vorsorgeaufwendungen mit dem abzugsfähigen Betrag noch nicht erreicht wurde, kann die Differenz i. H. v. 334,29 EUR als weitere sonstige Vorsorgeaufwendungen geltend gemacht werden.

Weitere sonstige Vorsorgeaufwendungen

Neben den Krankenversicherungsbeiträgen können bis zum Erreichen der Höchstbeträge für Vorsorgeaufwendungen auch Beiträge zu u. A. folgenden Absicherungen steuermindernd angesetzt werden:

  • Risikolebensversicherungen
  • selbstständige Erwerbs- und Berufsunfähigkeitsversicherungen
  • Arbeitslosenversicherungen
  • Unfall- und Haftpflichtversicherungen

Höchstbeträge für Vorsorgeaufwendungen

Bei den Höchstbeträgen wird zwischen dem ungekürzten und dem gekürzten Abzugsvolumen unterschieden. Das gekürzte Abzugsvolumen i. H. v. 1.900,- € steht insbesondere Steuerpflichtigen zu, die einen steuerfreien Zuschuss zu ihren Krankenversicherungsbeiträgen erhalten oder Anspruch auf Beihilfe haben. Zu diesem Personenkreis zählen insbesondere:

  • sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer
  • Besoldungsempfänger oder gleichgestellte Personen
  • Versorgungsempfänger im öffentlichen Dienst
  • in der gesetzlichen Krankenversicherung ohne eigene Beiträge familienversicherte Angehörige
  • Rentner, die aus der gesetzlichen Rentenversicherung steuerfreie Zuschüsse zu den Krankenversicherungsbeiträgen erhalten

Den Höchstbetrag von. 2.800,- € können Steuerpflichtige in Anspruch nehmen, für die das gekürzte Abzugsvolumen nicht gilt. Hierzu zählen insbesondere:

  • Selbstständige, die ihre Krankenversicherungsbeiträge in voller Höhe selbst tragen müssen
  • Angehörige von Beihilfeberechtigten (Ehegatten, Kinder), die nicht über einen eigenen Beihilfeanspruch verfügen
  • geringfügig Beschäftigte, für die der Arbeitgeber nur einen Pauschalbeitrag zur Krankenversicherung leistet

Bei zusammen veranlagten Ehegatten bildet sich das gemeinsame Abzugsvolumen aus der Summe der individuell zustehenden Höchstbeträge.

Grundsätzlich können die abzugsfähigen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung bis zum tatsächlich erreichten Betrag steuerlich abgesetzt werden, auch wenn diese den zustehenden Höchstbetrag überschreiten.

Beispiel:

Ein gesetzlich Versicherter Arbeitnehmer bezahlt jährlich für seine Krankenversicherung mit Krankengeldabsicherung 2.800,- € und 400,- € für die Pflegeversicherung. Des Weiteren leistet er Beiträge für die Arbeitslosenversicherung i. H. v. 800,- € und 50,-  € für eine private Haftpflichtversicherung.

Aufgrund der Krankengeldabsicherung muss der Krankenversicherungsbeitrag um 4% gekürzt werden. Diesem Betrag wird dann der Beitrag zur Pflegeversicherung hinzugerechnet. Somit ergibt sich ein steuerlich abzugsfähiger Betrag i. H. v. 3.088,- €. Die übrigen Versicherungsbeiträge können nicht abgesetzt werden, da der Höchstbetrag von 1.900,- € bereits überschritten wurde.

Beispiel:

Ein gesetzlich Versicherter Arbeitnehmer bezahlt jährlich 1.600,- für seine Kranken- und Pflegeversicherung sowie weitere 150,- € für seine private Krankenzusatzversicherung. Hinzu kommen noch Aufwendungen für Arbeitslosen- und private Haftpflichtversicherung i. H. v. 400,- €.

Seine Beiträge für die existenznotwendigen Basisleistungen im Krankheitsfall und Pflegeversicherung liegen mit 1.600,- € unterhalb des für Ihn relevanten Höchstbetrags. Somit kann er weitere 300,- € als Sonderausgabenabzug steuermindernd ansetzen.

Fazit

Mit der Einführung des Bürgerentlastungsgesetzes stellt der Gesetzgeber sicher, dass die existenziell notwendige Kranken- und Pflegeabsicherung aus steuerunbelastetem Einkommen finanziert werden kann.

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